Wasser ist so selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken. Es kommt aus dem Hahn, verschwindet im Abfluss, steht jederzeit zur Verfügung. Genau diese Selbstverständlichkeit macht das Thema unsichtbar.
Dabei ist der Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen eines der grundlegendsten Menschenrechte – und zugleich eine der größten globalen Herausforderungen.
Wasser- und Sanitärversorgung entscheidet über Gesundheit, Stabilität, wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Frieden.
Das sechste Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen macht deutlich, wie eng Wasser mit nahezu allen anderen Nachhaltigkeitsthemen verknüpft ist. Ohne Wasser gibt es keine Ernährung, keine Hygiene, keine Industrie und keine funktionierenden Städte.
Für Unternehmen bedeutet das: Wasser ist kein Randthema der Nachhaltigkeit, sondern ein zentraler Risikofaktor und Gestaltungsraum zugleich.
Warum Wasser ein unterschätztes Risiko ist
In vielen Teilen der Welt fehlt der Zugang zu sauberem Trinkwasser vollständig. Rund 1,1 Milliarden Menschen verfügen über keine sichere Trinkwasserversorgung.
Jährlich sterben Millionen Menschen an den Folgen von Wassermangel und verschmutztem Wasser, darunter besonders viele Kinder. Diese Zahlen sind bekannt – und werden dennoch oft als fernes Problem wahrgenommen.
Wasser- und Sanitärversorgung wird erst dann sichtbar, wenn sie fehlt. Konflikte um Wasser galten lange als Zukunftsszenario.
Doch Klimawandel, Bevölkerungswachstum und steigender Ressourcenverbrauch verschärfen die Situation bereits heute. A
uch in Europa und in Deutschland zeigen sich erste Anzeichen: sinkende Grundwasserspiegel, längere Dürreperioden, Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft, Industrie und öffentlicher Versorgung.
Wasser, Gesundheit und gesellschaftliche Stabilität
Sauberes Wasser und funktionierende sanitäre Einrichtungen sind Voraussetzung für Hygiene und Gesundheit. Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie elementar Händewaschen, sauberes Wasser und funktionierende Abwassersysteme für den Schutz vor Krankheiten sind.
Wo diese Grundlagen fehlen, geraten ganze Gesellschaften in eine dauerhafte gesundheitliche Ausnahmesituation.
Wasser- und Sanitärversorgung ist deshalb kein rein infrastrukturelles Thema. Sie beeinflusst Bildungschancen, Produktivität und soziale Teilhabe. Kinder, die täglich Wasser holen müssen, fehlen in der Schule.
Erkrankte Menschen können nicht arbeiten. Ganze Regionen verlieren Entwicklungschancen.
SDG 6 als unternehmerische Herausforderung
Für viele Unternehmen ist Wasser kein offensichtlicher Engpass. Produktionsprozesse laufen, Lieferketten funktionieren, Kosten sind kalkulierbar.
Doch genau hier liegt die Gefahr. Wasser ist in vielen Regionen unterbewertet, seine ökologische und soziale Bedeutung wird nicht vollständig in Preisen abgebildet.
Wasser- und Sanitärversorgung betrifft Unternehmen auf mehreren Ebenen: direkt im eigenen Betrieb, indirekt in der Lieferkette und systemisch über regionale Wasserhaushalte.
Wer Wasser nur als Betriebsmittel betrachtet, übersieht langfristige Risiken.
Virtueller Wasserverbrauch und Lieferketten
Ein zentraler Ansatzpunkt ist der sogenannte virtuelle Wasserverbrauch. Er beschreibt die Wassermenge, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette für ein Produkt benötigt wird.
Oft liegen die größten Wassermengen nicht im eigenen Betrieb, sondern bei Vorprodukten.
Eine Tasse Kaffee benötigt rund 140 Liter Wasser, ein einzelner Mikrochip etwa 34 Liter.
Diese Zahlen zeigen, wie tief Wasser- und Sanitärversorgung mit globalen Lieferketten verknüpft ist. Wer Verantwortung übernehmen will, muss den Wasser-Fußabdruck seiner Produkte kennen – mindestens in den zentralen Stufen der Lieferkette.
Nachhaltiges Wassermanagement als Kernaufgabe
Nachhaltiges Wassermanagement bedeutet, Wasser zu sparen, Wasserqualität zu erhalten und regionale Kreisläufe zu schützen. Dazu gehören effiziente Prozesse, geschlossene Kreisläufe, Wiederverwendung und der Schutz von Grundwasser.
Wasser- und Sanitärversorgung lässt sich nicht allein technisch lösen. Sie erfordert Sensibilisierung, klare Zuständigkeiten und langfristige Strategien. Unternehmen müssen verstehen, wie abhängig sie von stabilen Wasserressourcen sind – heute und in Zukunft.
Globale Verantwortung und Infrastruktur
In vielen Regionen ist Wasser vorhanden, aber nicht zugänglich. Tief liegende Grundwasserreserven erfordern Technik, Know-how und Investitionen. Organisationen wie GAiN unterstützen den Bau von Brunnen, die tausenden Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen.
Solche Projekte zeigen, dass Wasser- und Sanitärversorgung konkret verbessert werden kann, wenn Technik und Engagement zusammenkommen. Für Unternehmen stellt sich die Frage, wo sie sinnvoll unterstützen können – durch Technologie, Finanzierung oder Partnerschaften.
Entscheidend ist, dass Engagement langfristig angelegt ist und lokale Strukturen stärkt.
Wasserbewusstsein im Unternehmen schaffen
Wassermanagement beginnt im Alltag. Sensibilisierung der Mitarbeitenden ist ein wichtiger Schritt. Vom Umgang mit Trinkwasser über Sanitärtechnik bis hin zur Nutzung von Regenwasser lassen sich viele Maßnahmen umsetzen, ohne großen Aufwand.
Wasser- und Sanitärversorgung betrifft auch regionale Ökosysteme. Begrünte Dächer, entsiegelte Flächen, Teiche oder Aufforstung verbessern den lokalen Wasserhaushalt. Wälder speichern Wasser, verlangsamen Abfluss und stabilisieren das Mikroklima.
Unternehmen können hier einen Beitrag leisten, auch wenn ihr eigener Wasserverbrauch gering erscheint.
Reputation und Verantwortung
Bisher haben vergleichsweise wenige Unternehmen das Thema Wasser strategisch im Fokus. Dabei gewinnt Wasser- und Sanitärversorgung zunehmend an Bedeutung für Reputation, Risikomanagement und Zukunftsfähigkeit.
Stakeholder, Investoren und Kund:innen erwarten, dass Unternehmen verantwortungsvoll mit kritischen Ressourcen umgehen.
Wasser ist ein stilles Thema. Wer es ernst nimmt, zeigt Weitsicht.
Good Practice: share GmbH
Das 1+1-Prinzip von share verknüpft Konsum direkt mit Hilfe. Trinkwasser, Hygieneprodukte und Lebensmittel werden gezielt dort bereitgestellt, wo sie fehlen. Transparenz durch Tracking-Codes schafft Vertrauen.
Auch hier wird Wasser- und Sanitärversorgung als Teil eines ganzheitlichen Geschäftsmodells verstanden. www.share.eu
Wasser messen, ohne es zu reduzieren
Kennzahlen wie Wasserverbrauch oder Wasser-Fußabdruck sind wichtig. Sie ersetzen jedoch nicht die strategische Auseinandersetzung. Entscheidend ist, ob Reduktionsstrategien existieren, ob Lieferanten einbezogen werden und ob regionale Auswirkungen berücksichtigt werden.
Wasser- und Sanitärversorgung lässt sich nicht isoliert optimieren. Sie erfordert Systemdenken.
Fazit: SDG 6 als Prüfstein für Verantwortung
Wasser ist Leben. Ohne sauberes Wasser und funktionierende Sanitärsysteme gibt es keine Gesundheit, keine Bildung und keine wirtschaftliche Stabilität. Wasser- und Sanitärversorgung ist damit ein Fundament nachhaltiger Entwicklung.
SDG 6 fordert Unternehmen auf, Wasser nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern als strategische Ressource zu begreifen. Wer heute Verantwortung übernimmt, sichert morgen Stabilität – für Menschen, Regionen und Märkte.
FAQ zu SDG 6 und Wasser
Warum ist Wasser ein unternehmerisches Thema?
Weil Wasserknappheit Lieferketten, Produktion, Gesundheit und regionale Stabilität direkt beeinflusst.
Was ist der Wasser-Fußabdruck eines Unternehmens?
Er beschreibt den direkten und indirekten Wasserverbrauch entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Können auch wasserarme Unternehmen etwas beitragen?
Ja. Über Lieferketten, regionale Maßnahmen, Sensibilisierung und Partnerschaften.
Wie hängt Wasser mit dem Klimawandel zusammen?
Klimaveränderungen verschärfen Dürren, verändern Niederschlagsmuster und erhöhen Nutzungskonflikte.
KPI für SDG 6 – Wasser und Sanitärversorgung
Wasser-Fußabdruck des Unternehmens (direkt und indirekt)
Erfasst wird der gesamte Wasserverbrauch des Unternehmens inklusive relevanter Lieferkettenstufen, bezogen auf Umsatz, Produkteinheit oder Wertschöpfung.
Ziel: Transparenz schaffen, Reduktionspotenziale erkennen und Fortschritte messbar machen.
Anteil der Lieferanten mit definierten Standards zur Wasser- und Sanitärversorgung
Prozentualer Anteil strategischer Lieferanten, die Mindeststandards zu Wasserqualität, Abwasser und Sanitärbedingungen erfüllen.
Mehr würde ich nicht aufnehmen.
In welchem Umfang geht das Unternehmen entlang der eigenen Wertschöpfung verantwortungsvoll mit Wasser und Sanitärversorgung um?
Was bedeutet das konkret?
Die KPI betrachtet nicht nur den eigenen Wasserverbrauch,
sondern auch den Einfluss entlang der Lieferkette.
Sie bezieht sich auf:
• bewussten und effizienten Umgang mit Wasser im eigenen Betrieb
• Kenntnis und Steuerung des Wasserverbrauchs in zentralen Lieferkettenstufen
• Mindeststandards zu Sanitärversorgung und Abwasser bei relevanten Partnern
Wasser- und Sanitärversorgung wird hier als Teil von Verantwortung verstanden – nicht nur als Ressourcenthema.
—————————-
Prozess eine Nachhaltigkeitsberatung bei Jürgen Linsenmaier
Nachhaltigkeitsbericht erstellen: 7 Tipps für Unternehmen
Ablauf einer Nachhaltigkeitsberatung: Einblicke aus der Praxis
