Aktualisiert im Oktober 2025: Neue Anforderungen der CSRD und ESRS zeigen, wie wichtig eine saubere Datengrundlage für den Nachhaltigkeitsbericht ist. In vielen Unternehmen fehlen nach wie vor verlässliche Kennzahlen – etwa zu Energieverbrauch, Lieferkette oder Mitarbeiterentwicklung. Genau hier entscheidet sich, ob ein Bericht mehr ist als eine Pflichtübung.
Wer heute einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, steht also nicht nur vor der Aufgabe, Inhalte zu strukturieren, sondern auch Daten zu finden, die belegen, was wirklich passiert. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Nachhaltigkeitsbericht erstellen: So geht’s für Unternehmen
Ein Praxisleitfaden für alle, die nicht nur müssen – sondern wollen.
Nachhaltigkeit ist längst kein Marketingthema mehr – und ein Nachhaltigkeitsbericht kein freiwilliger Image-Baustein, sondern ein handfestes Führungsinstrument. Unternehmen, die heute einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, tun das nicht nur wegen gesetzlicher Pflichten wie der CSRD oder dem Lieferkettengesetz. Sie tun es, weil die Anforderungen steigen – von Kunden, Mitarbeitenden, Banken und Investoren. Und weil sie erkannt haben: Wer in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss zeigen, wie er gesellschaftlich und ökologisch Verantwortung übernimmt.
Das gilt besonders für den Mittelstand. Denn obwohl viele kleinere Unternehmen nicht direkt berichtspflichtig sind, werden sie zunehmend von Geschäftspartnern in die Pflicht genommen. Große Kunden verlangen Nachhaltigkeitsdaten. Kreditgeber wollen wissen, wie nachhaltig das Geschäftsmodell aufgestellt ist. Und Bewerber fragen nach Werten, nicht nur nach Gehalt. Der Druck steigt – und mit ihm der Bedarf an Transparenz.
1. Was ist ein Nachhaltigkeitsbericht – und wofür brauche ich ihn?
Ein Nachhaltigkeitsbericht ist mehr als eine Sammlung grüner Absichtserklärungen. Es ist der Versuch, das eigene wirtschaftliche Handeln ehrlich und strukturiert zu reflektieren: Was tun wir – und was tun wir nicht? Welche Auswirkungen hat unser Handeln auf Umwelt, Gesellschaft, Mitarbeitende, Lieferanten? Wo stehen wir – und wo wollen wir hin?
Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, profitieren auf mehreren Ebenen: Sie gewinnen Klarheit über die eigenen Stärken und Schwächen. Sie können strategischer steuern. Sie schaffen Vertrauen – intern wie extern. Und sie machen sichtbar, was oft unsichtbar bleibt: dass Wirtschaft auch Verantwortung bedeutet.
2. Nachhaltigkeitsbericht erstellen – wie geht man das an?
Wer einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen will, braucht keine perfekte Ausgangslage – aber eine Entscheigung es zu und in der Folge eine klare Haltung. Der erste Schritt ist immer die Frage nach dem Warum: Warum wollen wir das tun? Aus welcher Motivation heraus? Geht es um gesetzliche Anforderungen? Um Kundenwünsche? Um einen kulturellen Wandel im Unternehmen? Um bestehende Werte zu stärken?
Die zweite Frage lautet: Wer macht mit? Denn ein glaubwürdiger Bericht entsteht nicht in der Kommunikationsabteilung allein. Er braucht die Mitwirkung der Geschäftsführung, der Fachabteilungen, der Mitarbeitenden. Und er braucht jemanden, der den Überblick behält – intern oder extern.
Ein guter Einstieg besteht darin, die richtigen Fragen zu stellen. Etwa: Wie wirkt unser Unternehmen auf Umwelt und Klima? Wie gehen wir mit unseren Mitarbeitenden um? Was erwarten unsere Stakeholder? Welche Rolle spielen unsere Lieferanten – und wie transparent sind wir selbst?
Fragenkataloge helfen hier weiter – zum Beispiel aus dem GRI-Reporting oder der Gemeinwohl-Ökonomie. Sie geben Struktur, ohne starre Vorgaben zu machen. Und sie lenken den Blick weg vom Greenwashing hin zur Substanz.
3. Ehrlichkeit statt Imagepflege – darum geht es wirklich
Viele Unternehmen tun sich schwer mit dem ersten Bericht – aus Angst, nicht gut genug dazustehen. Doch genau hier liegt der Denkfehler. Wer einen Nachhaltigkeitsbericht erstellt, soll keine perfekte Welt zeichnen. Sondern eine ehrliche. Es geht nicht darum, zu zeigen, was man alles schon geschafft hat – sondern auch woran man arbeitet. Was offen ist. Wo es noch klemmt. Nachhaltigkeit ist kein Status, sondern ein Weg.
Der erste Bericht ist oft ein Anfang. Er zeigt, wo man steht – und gibt einen Rahmen, um besser zu werden. Das gelingt besonders gut, wenn man klare Ziele formuliert: kurz-, mittel- und langfristig. Zum Beispiel: Reduktion der CO₂-Emissionen um 15 % in drei Jahren. Oder: Verbesserung der Zufriedenheit im Team bis zur nächsten Mitarbeiterbefragung. Solche Ziele sind keine Pflicht, aber ein Zeichen von Glaubwürdigkeit. Umstellung auf 100 % Ökostrom innerhalb von 12 Monaten.
4. Welche Standards gibt es – und was ist für uns sinnvoll?
Wer einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen möchte, hat die Wahl: GRI, CSRD, DNK, Gemeinwohl-Bilanz, VSME – oder ein eigener Weg? Nicht jeder Standard passt zu jedem Unternehmen. Und nicht jedes Unternehmen braucht einen 120-seitigen Bericht. Gerade im Mittelstand geht es oft darum, einen ersten fundierten Einstieg zu finden – und dann Schritt für Schritt professioneller zu werden.
Die CSRD schreibt in Zukunft für viele Unternehmen eine sehr klare Struktur vor. Doch auch wer (noch) nicht berichtspflichtig ist, kann sich an Standards wie GRI oder Gemeinwohl orientieren. Wichtig ist: Klarheit über das eigene Ziel. Wer schreibt diesen Bericht? Für wen? Und mit welchem Anspruch?
VSME (Value Supply Management Excellence) ist zum Beispiel kein reiner Berichtsstandard, sondern ein Führungsmodell, das besonders im Bereich Lieferkette und Verantwortung stark ist. Für viele Mittelständler kann genau das der richtige Einstieg sein – weil es praxisnah, datenorientiert und partnerschaftlich gedacht ist.
5. Wie erhebe ich die nötigen Daten in der Praxis?
Ein Herzstück jedes Berichts ist die Datenerhebung. Und auch hier gilt: Lieber klein, ehrlich und nachvollziehbar starten, als groß, glatt und austauschbar. Datenquellen gibt es viele – vom Stromverbrauch über die Krankentage bis hin zu Lieferantenbewertungen oder Personalfluktuation. Die Frage ist: Wo sind diese Daten bereits vorhanden? Und wo kann man sie mit vertretbarem Aufwand erfassen?
Viele Unternehmen beginnen mit Excel – und steigen später auf Tools oder ESG-Softwarelösungen um. Wichtig ist, die Datenquellen zu dokumentieren. Denn ein Nachhaltigkeitsbericht ist auch ein Kommunikationsmittel. Und wer darin Zahlen nennt, sollte sagen können, woher sie stammen.
Oft lohnt sich auch ein Gespräch mit der Buchhaltung, der Personalabteilung oder dem Einkauf. Denn viele Daten liegen bereits vor – sie müssen nur in den Nachhaltigkeitskontext übersetzt werden.
6. Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
Wer einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen will, läuft schnell in typische Fallen. Die bekannteste: Greenwashing. Aussagen wie „Wir handeln nachhaltig“ ohne Belege oder Beispiele schaffen kein Vertrauen – sondern Misstrauen. Andere Fehler: zu viel PR-Sprache, zu wenig Substanz. Copy-Paste aus anderen Berichten. Oder schlicht: kein roter Faden.
Ein weiterer häufiger Fehler: das Thema als Projekt zu behandeln. Nachhaltigkeit ist kein einmaliges Ereignis. Sondern eine Haltung. Und ein Prozess. Wer das verstanden hat, schreibt nicht einfach einen Bericht – sondern beginnt, sein Unternehmen nachhaltig zu führen.
7. Externe Hilfe nutzen – oder selbst machen?
Beides ist möglich. Doch wer den Bericht alleine aufsetzt, braucht Zeit, Ressourcen und eine gewisse Methodenkompetenz. Wer externe Hilfe nutzt, sollte auf Erfahrung achten – nicht nur im Schreiben, sondern im Verstehen. Eine gute Beraterin oder ein guter Berater hilft nicht nur beim Bericht – sondern dabei, den richtigen Weg zu finden. Und die richtigen Fragen zu stellen.
Der größte Nutzen liegt in der Kombination: intern getragen – extern begleitet. So entsteht ein Bericht, der Substanz hat. Und Wirkung entfalten kann.
Fazit: Einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen ist kein Pflichtprogramm – sondern eine Chance
Ein Nachhaltigkeitsbericht ist nicht das Ziel. Sondern ein Werkzeug. Er macht sichtbar, was ist. Und was möglich ist. Unternehmen, die heute einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, machen sich zukunftsfähig – nicht, weil sie müssen. Sondern weil sie wollen.
Sie übernehmen Verantwortung. Für ihr Handeln. Für ihre Wirkung. Für ihre Rolle in einer Gesellschaft, die Wandel braucht.
Und ja: Es ist Arbeit. Aber es lohnt sich. Denn Klarheit, Vertrauen und Transparenz sind heute kein Luxus mehr – sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Die häufigsten Fragen zum Thema Nachhaltigkeitsbericht erstellen.
Ist ein Nachhaltigkeitsbericht für Unternehmen Pflicht?
Für viele Unternehmen wird ein Nachhaltigkeitsbericht durch die CSRD zur Pflicht – insbesondere für Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden oder 40 Mio. Euro Umsatz. Aber auch kleinere Firmen geraten zunehmend unter Druck, weil Kunden, Banken und Partner mehr Transparenz fordern.
Was muss in einen Nachhaltigkeitsbericht?
Ein Nachhaltigkeitsbericht sollte ökologische, soziale und ökonomische Aspekte abdecken. Dazu gehören unter anderem CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Personalentwicklung, Lieferketten, gesellschaftliches Engagement und Unternehmenswerte.
Wie beginne ich mit dem Nachhaltigkeitsbericht erstellen?
Am besten mit einer klaren Zieldefinition, den richtigen Fragen und einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Standards wie GRI oder die Gemeinwohlbilanz helfen bei der Struktur. Ein erster Bericht muss nicht perfekt sein – aber glaubwürdig.
Welche Standards sollten sie einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?
Für Mittelständler sind besonders der DNK, GRI, die Gemeinwohl-Bilanz oder VSME empfehlenswert – je nach Zielsetzung und Ressourcen. Die CSRD wird für viele Unternehmen ab 2028 verpflichtend.
Wie oft muss man den Nachhaltigkeitsbericht erstellen?
In der Regel jährlich – besonders wenn eine gesetzliche Berichtspflicht besteht. Aber auch freiwillige Berichte sollten regelmäßig erscheinen, um Fortschritte sichtbar zu machen.
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