Brauchen wir eine Ökodiktatur um zu überleben

Einen fleischlosen Tag pro Woche in Deutschlands Kantinen forderten die Grünen im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 – und ja sie ernteten für den „Veggie Day“ heftige Kritik. In den Medien wurde vor einer Bevormundung des Bürgers gewarnt. War das bereits der erste Schritt zur Ökodiktatur?

Es gab die unterschiedlichsten Kommentare auf den unterschiedlichsten Plattformen:


„Es reicht mit der GRÜNEN Bevormundung! Die Ökodiktatoren müssen am Wahltag abgestraft werden.“

„… ja, es sollte dieser vegetarische Tag eingeführt werden. Für die Gesundheit, für die Tiere, für eine bessere Gesellschaft …“

„Habe mal die Grünen gewählt. Das scheidet jetzt aber total aus. Sie entwickeln sich langsam zu einer Ökodiktatur-Partei, welche ideologisch der Auffassung ist, selbstbestimmte Bürger zu bevormunden.“


Die Aufregung war groß und die Meinungen nahezu eindeutig. Der „Veggie-Day“ wurde damals als Bevormundung auf breiter Front abgelehnt.

Die Frage, die sich mir stellt: Wollen wir ein freiwilliges oder ein vom Staat erzwungenes enkeltaugliches Leben? Haben wir die Zeit darauf zu warten bis der letzte Unternehmer nachhaltige Produkte und Dienstleistungen produziert oder wollen wir warten, bis der letzte Verbraucher nachhaltige Produkte und Dienstleistungen kauft?

Wir würden tatsächlich alle besser leben, wenn wir keine Wälder für die Palmölgewinnung abholzen. Wir würden tatsächlich besser leben können, wenn wir statt 85 Kilo schlechtes Fleisch besser 25 Kilo gutes Fleisch im Jahr essen. Wir würden tatsächlich besser leben, wenn wir regional produzierte Produkte beim Kauf vorziehen.

Faktencheck


Fleischverbrauch (inkl. Nahrungsverbrauch, Futter, industrielle Verwertung, Verluste, einschl. Knochen) je Kopf der Bevölkerung 2015 – 86,6 Kilo

Fleischverzehr (ohne Knochen, Futter, industrielle Verwertung und Verluste) je Kopf der Bevölkerung 2015 – 59,2 Kilo

Quelle: https://www.bvdf.de/in_zahlen/tab_05/


Wir benötigen (noch) keine Ökodiktatur, um die Welt zu retten. Ich sage hier bewusst „noch“. Wir brauchen zum Beispiel andere Besteuerung von Unternehmen, die nachhaltige Produkte und Dienstleistungen produzieren und anbieten. Ein Weg wäre hier, dass sich die Kapitalertragssteuer nicht mehr ausschließlich nach dem Gewinn errechnet, sondern wir ein Raster finden, welches die Höhe der Steuern an die Unterstützung des Unternehmens am Gemeinwohl koppelt.

Wir leben in Europa und damit in Demokratien. Europa muss zu sich finden, seinen Einfluss geltend machen und Regeln schaffen, die demokratisch beschlossen und im Konsens akzeptiert werden. Dazu sind gesellschaftliche Mehrheiten notwendig und wie gesagt (noch) keine Ökodiktatur.

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